Der Sargbauer zu Fretter im Sauerland

Eine Hommage an das Sauerland, ein schaurig-schönes Hörstück

 

»Ich wollte nur eine Geschichte schreiben über das Wesen des Sauerlands einerseits, über den Beruf des Sargbauers andererseits. Ich wollte wissen, was es mit einem anstellt, wenn man tagtäglich Särge bauen muss. Ich recherchierte gut, besuchte Zimmermannsleute und Tischler, sah ihnen während der Arbeit genau auf die Finger. Über diese Recherche und die Genese des Schreibens im Allgemeinen glaubte ich, in die Gefühlswelt der Protagonisten eintauchen zu können.

Anfangs hatte ich meine Geschichte auch gut im Griff. Bald aber zog es mich aus der Innenwelt der Protagonisten hinein ins Metaphysische, hinein in den großen Bottich voller Religion, voller Verzweiflung und Sinnsuche. Ich hatte verfasst eine Geschichte über Spiritualität und Götter, über Rache, Glück und Unglück.« Ingo Munz

Und damit bringt er sein Spezialgebiet voll mit in das Hörstück ein: Religiöse Philosophie mit einem völlig unerwarteten, kuriosen Ausgang durchzieht das mit Musik von Rudy Radu unterlegte Hörstück. Erzählt wird die Geschichte übrigens aus der Sicht eines altgedienten Jagdgewehrs.

Friedhelm Tomba

Kritiker, Sauerlandkurier

Der Dichter Ingo Munz hat ein bezauberndes Hörstück geschrieben. Die Atmosphäre ist beklemmend und doch voller Zauber. Ich werde 20 Minuten lang Zeuge eines brillant erzählten, sorgsam komponierten Hörstücks.

Stefan Schröder

Schriftsteller

Die Handlung

Ich geh dann mal ins Holz«, raunt der Sargbauer, wenn er auf andere Gedanken kommen und dem Einerlei in seiner Werkstatt entrinnen will. Dann wandert er die paar Meter hinein in den tiefen Wald, setzt sich irgendwo nieder, beobachtet, sinniert, schnitzt bisweilen und trinkt dazu nicht selten die ein oder andere Flasche Bier. „Schauplatz“ des faszinierenden Hörstücks ist das beschauliche Dorf Fretter im südlichen Sauerland. Wie wohl überall auf der Welt wirken Landschaft und Infrastruktur nicht wenig auf die Mentalität der Bewohner ein. Wie wohl überall auf der Welt suchen auch in Fretter die Menschen Halt, indem sie sich allerhand Grundsätzen aus freien Stücken unterwerfen:

Die über Jahre hinweg tradierte Dorfcharta

Wähle, erstens, christdemokratisch!
Sag nix Schlechtes über den Pfarrer, zweitens
und drittens: Geh aufs Schützenfest!

Ich erzähle die Geschichte vom Sargbauer zu Fretter im Sauerland aus der Perspektive eines altgedienten Jagdgewehrs, das »schon so manches Tier vor seinem Lauf hat in die Knie gehen sehen«, das aber mittlerweile ein rechtes Schattendasein in der Werkstatt des Sargbauers fristet, denn der »hat es nicht mit der Jagd«. Aber, irgendwann stößt das altgediente Jagdgewehr dann doch auf das Interesse des Sargbauers.

Das Jagdgewehr über den Sargbauer

Zwar war sein Blick nicht besonders liebevoll, er kam mir eher eisig und gestochen scharf vor, wie der Blick eines hungrigen Adlers, aber geschmeichelt fühlte ich mich dennoch, denn ich war ja vor lauter Einsamkeit regelrecht ausgetrocknet, ich gierte ja nach Aufmerksamkeit und Anteilnahme.

Der Sargbauer beginnt, nur mehr noch an einem einzigen Sarg zu arbeiten. Er schottet sich ab, wird eigentümlicher von Minute zu Minute, wird unzufriedener mit sich und der Welt und flucht:

Auszug aus der CD

by Ingo Munz | Der Sargbauer zu Fretter im Sauerland

Lovis Löwenthal empfiehlt:

Der Teaserfilm 

zum Sargbauer zu Fretter im Sauerland

Beteiligte Künstler

Rudy Radu: Musik und Tonregie

Dem Stück leidenschaftlich angenommen hat sich der Performance-Musiker Rudy Radu. Radu, der neben Sprache auch Film vertont, hat seine fast zwanzig Jahre währende Bühnenerfahrung und die Vorliebe für die experimentelle Gangart in genialischer Manier „in den Sargbauer“ einfließen lassen. Fretter hat er sich zur Inspiration genau angesehen. 

»Beim Arrangement der Musik«, so Rudy Radu, »empfand ich die Unbefangenheit des Sauerlandes. Mein Ziel war es vor allem, die Zukunftsangst des Protagonisten hörbar zu machen.«

Rudy Radu in Action

Stefan Michaelsen hat das Hörstück gestaltet

Das Cover des Hörstücks »Der Sargbauer zu Fretter im Sauerland«
Der Kommunikationsdesigner Stefan Michaelsen

Stefan Michaelsen, geboren 1970 in Braunschweig,
arbeitet als überzeugter Kommunikationsdesigner in Essen. Er entwirft Ausstellungen, wie zuletzt in den
Meininger Museen, Bücher, vor allem aus dem Kunstbereich (u. a. Joseph Beuys und Tadashi Kawamata), ferner Informations- und Corporate Design. Neben der beauftragten Tätigkeit entstehen freie Zeichnungs- und Fotografieprojekte.

Zur Homepage von Stefan Michaelsen von Stefan Michaelsen

Ingo Munz über das Erzählen von Geschichten

Ich liebe Geschichten! Ich liebe Geschichten mit einem Anfang und einem Ende, ein Ende, das ein Ausrufezeichen setzt. Das so beliebte offene Ende ist meine Sache nicht. Zur Meisterschaft, so bin ich überzeugt, hat es eine Geschichte dann geschafft, wenn sie zwar unmissverständlich klar macht: hier ist Schluss! sie aber dennoch mehrdeutig bleibt. Eine Mehrdeutigkeit, die sich freilich nicht allein auf das Ende bezieht, sondern vor allem die Motive und Handlungen der Protagonisten meint.

Zu meinen bevorzugten Stilmitteln gehört, auch in der kurzen Prosa, die Retardation, also die Verlangsamung, das Verzögern der literarischen Handlung. Bisweilen übertreibe ich gerne, um die Geschichten dort anzusiedeln, wo es am spannendsten ist: auf der Naht zwischen Wirklichkeit und Fiktion.

Während der Erzählung sehe ich meine Hörer gerne schmunzeln. Ein gefälliges Lächeln nach Abschluss der Geschichte kann mir allerdings gestohlen bleiben. Ich kalkuliere also bereitwillig ein, kein uneingeschränktes Lob einzuheimsen. Ja, wer sich vor der Nachtruhe noch ein wenig amüsieren und sein Tun und Denken bestätigt wissen will, der wird mit meinen Geschichten nicht glücklich werden.

Freilich ist mein Ziel nicht per se, anderer Meinung als der Hörer zu sein, ihn zu irritieren oder gar zu provozieren, aber ich gestehe ein, dass ich eine Geschichte, die heute beklatscht, morgen aber bereits vergessen ist, für gescheitert, für schlecht und nicht der Rede wert halte!

Ingo Munz über das Wesen des Hörstücks

Ein Hörstück ist Theater fürs Ohr. Die Geschichte, freilich, markiert die Bühne, als Kulisse wirken Töne und Klänge, Musikalien. Das Hörstück ist, im Gegensatz zum Hörspiel, nicht als Ohrenschmeichler verfasst und konzipiert; vielmehr reicht es nach Fertigstellung eher zufällig der rivalisierenden Kunst die Hand. Derart schmeichlerisch gerieren sich zu allererst jene Geschichten, die besonders vieldeutig und etwas geheimniskrämerisch daherkommen, Geschichten, die die großen Themen Tod und Liebe verhandeln. Somit ist das Hörstück, mehr als andere literarische Genres, vor allen Dingen eines: Metaphysik!

Das Seminar Text und Raum an der Fachhochschule Münster

Gegenstand des Kurses „Text und Raum“ von Frau Professor Grönebaum war die generelle Auseinandersetzung mit Vermittlung und Kommunikation im Raum. Die StudentInnen beschäftigten sich mit der Umsetzung von Text, ob auf formaler, leitender oder erklärender Ebene. Ziel des Semesters war es, einen literarischen Text räumlich umzusetzen, frei von Vorgaben oder Richtlinien.

Der Sargbauer zu Fretter im Sauerland: Modell von Lisa Lange
Einen Übersichtsartikel zu diesem Seminar finden Sie hier.

Modell zum Hörstück der Sargbauer zu Fretter im Sauerland

Der Sargbauer zu Fretter im Sauerland [Audio-CD]

zu 10,00 Euro

Ein schaurig-schönes Hörstück, eine Hommage an das Sauerland