Kurzgeschichte, Kurzgeschichte, wie das das schon klingt! Das klingt doch ein bisschen nach Lambrusco und Knäckebrot, nach Graupensuppe und Handbohrer, nach … nach Kurzarbeit. Das klingt doch aus sich heraus schon arg bescheiden. Das klingt wie etwas, das uns in Gottes Namen genügen soll, wenn nichts Besseres zur Hand ist – und das war’s, das war’s schon. Hier ist der Beitrag bereits zu Ende. Fieber, allerhand weitere Unpässlichkeiten, besondere Umstände im persönlichen Umfeld und ein noch nicht abgetragener Berg voller Arbeit, der jeglichem Anfang rotzt in die Visage. Ja, es ist mir unmöglich, diesen Versuch zu Ende zu bringen. Schade. Denn ich wollte doch Frau Horn schreiben, warum mich Alice Munro, sagen wir: nicht begeistert. Wollte die Brücke schlagen zu Harold Pinter und den bekannten Strickmustern des spannenden Schreibens, also der bröckchenweisen Präsentation von Spektakulärem, nach dem Motto: Es sollte das der Tag sein, an dem er sie zum ersten Male schlug … Hier, dachte ich, verweise ich auf meine Sicht des großen Kunstwerks, verlinke auf den Klaus Betzl-Beitrag und hätte dann erklärt, warum diese Strickmuster der Spannung irgendwann unglaublich langweilen. Dostojewski hätte auch einen mitbekommen. Wegen seiner seitenlangen Beschreibungen der Schuhschnallen irgendwelcher Statisten. Das könne man sich, hätte ich geschrieben, in Kurzgeschichten gar nicht leisten. Ich wollte auf jenen Dichter eingehen, dessen Name ich immer wieder … Henning, hilf! Goethe, ja, Goethe, so heißt er; also seine Definition der Novelle, das mit den unerhörten Begebenheiten et cetera. Ach, ich wollte doch charmant über Robert Walser plaudern, über diesen wahren Gott, der aber leider auch keine Kurzgeschichten schreiben konnte. Warum? Nein, das krieg ich jetzt nicht mehr hin. Fieber und so. Und Camus. Camus wollte ich erwähnen, na ja, Eigennutz. Iris Radisch ist ja heut Abend im Folkwang und stellt ihr Buch vor: Camus. Das Ideal der Einfachheit. Und da dachte ich, na ja, wo doch bald der Roman erscheint, das könnte ihr schmeicheln, dachte ich, und es gibt ja auch noch ’nen anderen Grund, dass der Camus doch mal gesagt hat, die Amerikaner schrieben, um Bücher zu verkaufen, die Europäer hingegen, um, na ja, um …, Sie wissen schon. Halt anders, die Europäer, sie schreiben halt aus anderen Gründen, sagte der Camus, glaube ich. Und dann wäre ich, hätte ich diesen Versuch geschrieben, dann wäre ich echt in die Bredouille gekommen, weil alles natürlich wieder so geklungen hätte, wie wenn der kleine Schiriftsteller (sprich: Schi-rift-steller) aus reiner Eifersucht kritisierte. Denn dass ich Dostojewski sonst, na ja, das überliest man ja immer wieder, weil ja die meisten Menschen lesen, um die eigenen Vorstellungen bestätigt zu bekommen. Die meisten Menschen müssen ja gar nicht mehr lesen, weil sie sich immerfort nur immer die eigenen Gedanken vorlesen, da kommt man einfach nicht mehr dazwischen, da ist einfach kein Durchkommen, Schluss, sozusagen oder so zu sagen. Scheiß drauf! Jedenfalls hätte ich am Ende dieses Versuchs dann doch noch Versöhnliches präsentiert. Nur, um nicht für ganz größenwahnsinnig abgestempelt zu werden.

Da muss man ja aufpassen, Facebook und so, da ist Bescheidenheit schon besser, so lange man keinen Namen hat. Irgendwann dreht sich das dann ja wieder um, also wenn man dann plötzlich einen Namen hat. Aber davon sollte ja gar nicht die Rede … Sie wissen schon. Krötz, denke ich, hätte ich auf jeden Fall angeführt. Gute Kurzgeschichten, verdammt gute, die kann der Franz Xaver Krötz schreiben, hätte ich geschrieben. Luise Rinser hätte ich angeführt, wie immer. Irgendwann hätte ich dann diesem Vollpfosten noch einen mitgegeben, dem, der die Geschichten Munros vergleicht mit denen von Cechov. Da hätte ich dann geschrieben, also so sinngemäß, dass wenn einer so saugute Stücke schreibt wie der Cechov, dass der dann unmöglich gleichzeitig auch gute Geschichten schreiben kann, so ungefähr hätte ich das gemacht und hätte gesagt, der Vollpfosten soll doch zu Hause gehen, jawoll, Daniel Berg hätte ich zitiert, der soll doch zu Hause gehen! Und Böll? Klar, auch den hätte ich genannt, nur um zu provozieren, denn wer lacht einem heutzutage nicht offen ins Gesicht, wenn man die Geschichten Bölls gutheißt? Und an einer passenden Stelle, wahrscheinlich etwas weiter oben, wo auf die Strickmuster der Spannung eingegangen worden wäre, da hätte ich untergebracht diesen Link und hätte hingewiesen auf die eigene Lesung am Samstagabend. Aber da muss man natürlich aufpassen, dass dann nicht plötzlich 100 Leute, so ein richtiger Mob, vor der Türe der Freundin in Rüttenscheid steht und um Einlass fleht, weil ja der große Ingo Munz am Samstag drei Kurzgeschichten liest: »Ulriken« ganz gewiss, wahrscheinlich »Endlich ist der Mensch und nicht ist die Gerechtigkeit« und vielleicht »Meine Lampe und ich« und vielleicht noch eine oder eine andere, das wird sich dann am Samstag entscheiden.