Bitte Romane und Geschichten, die haften bleiben!

 

Anders als Alexander Puschkin, so Ingo Munz, habe er nicht den Eindruck, in die Prosa „hinabsteigen“ zu müssen. Er müsse nur häufiger umsteigen.

 

Eine kleine Philosophie über die Prosa, aufgezeichnet von Lovis Löwenthal

Hole er sich den klassischen Dichter vors Auge, dann sehe er ihn sitzen in fulminanten Buchten, unter üppigen Palmen, Champagner aus Kokosnussschalen schlürfend. Den Dramatiker hingegen erblicke er in einer riesigen Stadt, in einem Moloch, aus dem es schwitzt, rülpst und furzt, in dem es menschelt. Der Prosaiker, Ingo Munz hat mir oft erzählt, dass er dieses Wort zwar nicht leiden könne, dass ihm aber auch kein besseres einfalle, der Prosaiker müsse zu Hause sein in der einsamen Bucht gleichwie in dem Moloch. Er müsse sowohl Champagner als auch Bier etwas abgewinnen können, müsse in der Lage sein, Kommunion zu feiern mit burschikosen Stammtischbrüdern, mit scheuen Nonnen, mit verschrobenen Sargbauern und feinfühligen Pianisten.

Interessant, so Ingo Munz, werde es freilich, wenn es sich bei den Protagonisten innerhalb von Erzählwerken um beispielsweise burschikose Nonnen oder feinfühlige Stammtischbrüder handele. Die Herleitung solcher Charaktere sei schwierig und erfordere höchste Konzentration, weshalb der Prosaiker irgendwann freiwillig beginne, seine Geschichten bei Wasser und Kaffee niederzuschreiben. Allenfalls am späten Abend, wenn es darum gehe, sich Gedanken über den Fortgang des Erzählwerks zu machen, erst dann könne man ernst zu nehmende Prosaiker den einen oder anderen Whiskey trinken sehen.

Die Welt, wie wir sie potenziell in uns tragen

Einmal, es war einer jener Abende in einem überaus gemütlichen Gewölbekeller, der sich Inspiration aus dem Zwiegespräch und den Tiefen dünnwandiger Whiskeygläser erhoffte, gestand mir Ingo Munz, dass er Prosa insbesondere dann für gelungen erachte, wenn sie nicht mehr Realität und noch nicht Utopie sei. Indem sie sich mitsingen lasse, müsse sie überzeugen, von nur irgendetwas überzeugen, im besten Falle schaffe sie es, Spuren von Liebe zu hinterlassen. Damit sei leichter Hand auf den wahrscheinlich größten Vorteil der Prosa hingewiesen, denn zu Zeiten, da man das Gros der Leser jagen und vor allem verjagen könne mit – ganz allgemein formuliert – Verbesserungsvorschlägen, zu Zeiten, da ein zu Ende gelesener Wikipedia-Artikel für den Gipfel allen Wissens angesehen werde, gerade zu solchen Zeiten könne die Prosa aufgrund ihres langen Atems Überzeugungen zunächst besser verbergen und sie dann, sozusagen durch die Hintertüre, sanft und gewaltfrei einführen. Gedichte nehme heute ohnehin keiner mehr ernst, und auf dem Theater dürfe bestenfalls noch Nathan der Weise an die Bühnenrampe treten und so etwas wie Gesellschaftskritik üben, die allerdings spätestens an der Garderobe wieder vergessen sei.

Schau dir doch, sagte Ingo Munz, schau dir doch das zeitgenössische Drama an, was siehst du? Du siehst zynische, ironische und gleichgültige Menschen, die sich in den Abgründen menschlichen Daseins sudeln und die, um wenigstens ein paar Leutchen ins Theater zu locken, die sich in Blut- und Spermaorgien ergehen. Der Dramatiker, aber leider auch die meisten Prosaiker, hätten die Aufgabe der Ärzte übernommen und stellten nurmehr Diagnosen. Dabei gehe es doch darum, uns die Welt so vor Augen zu führen, wie wir sie potenziell in uns tragen – aber nicht sehen können, weil wir an unseren Gewohnheiten hängen und nicht anecken wollen.

Thomas Bernhard und die Wahrheit des Ingo Munz

Thomas Bernhard: Bislang hat noch kein Autor gewagt, die Wahrheit auszusprechen.

Der Mut, die Wahrheit auszusprechen

Sehr erfreulich fand ich damals, als bereits einige Karaffen Wasser und einige Gläser schottischen Whiskeys getrunken waren, dass Ingo Munz die Prosa beschrieb als jene Gattung, die er bislang am wenigsten durchdrungen habe. Er kenne seine Schwächen. Sie begännen bei der Scheu, zugunsten der eigenen Reputation auf Wahrheiten zu verzichten. Er bekomme noch heute Gänsehaut, wenn er daran denke, wie Thomas Bernhard in einer seiner großartigen Tiraden keifte, er, Thomas Bernhard, habe noch keinen Autor gesehen, der mutig genug gewesen wäre, die Wahrheit auszusprechen. Dies habe ihn insofern beeindruckt, als Bernhard ohnehin und einmal mehr beängstigend offen über die Niedertracht der Menschen, insbesondere seine eigene, gesprochen hätte.

Die immer selben Erzählstrategien

Er müsse also forscher werden. Auch habe er Schwierigkeiten mit der speziellen Dramaturgie von Prosawerken, mit den klassischen Erzählstrategien, mit Dingen wie Spannungsbögen, inneren und äußeren Rahmenhandlungen, mit dem Aufbau von Fronten zur besseren Orientierung, wer denn gut und wer böse sei. Seine Hoffnung, der Leser benötige derlei moralische Stützen nicht, schwinde. Vielleicht weil er dem Vorsatz, der diesen Strategien wohl innewohnt, zu entkommen gedenke, vielleicht neige er deshalb dazu, jenen Erzählstrategien wenig Wert beizumessen.

Freilich, so fuhr er damals fort, freilich habe er zu Beginn einer Erzählung ein Ziel vor Auge. Es kümmere ihn allerdings wenig, wie dieses Ziel erreicht werde. Ähnlich wie in Luigi Pirandellos Sechs Personen suchen einen Autor gingen ihm seine Protagonisten gerne einmal durch. Das verwirre nicht nur ihn persönlich, sondern sorge wohl auch allzu häufig beim Leser für Orientierungsprobleme. Er überlege deshalb, ob er sich und seine Protagonisten stärker an die Kandare nehmen müsse und ob er sich zum Wohle der Einheitlichkeit einer Erzählung diesen Strategien mehr öffnen solle. Schließlich finde er sehr wohl Gefallen an jenen Romanen und Erzählungen, die die Prinzipien des Spannungsaufbaus befolgten, auf genialische Art und Weise, und die dann in der Tat dazu führten, dass man ein Buch vor dem Ende nicht mehr zur Seite legen könnte. Ingo Munz nannte in diesem Zusammenhang das Beispiel Fahrenheit 451, von Ray Bradbury. Das Buch fange sehr gut an, gehe dann sehr gut weiter und vollführe zu guter Letzt einen fünfzigseitigen Höhepunkt. Fünfzig Seiten! Er wisse nicht, wie Derartiges funktioniere. Danach jedenfalls erzählte er mir von weiteren dramaturgischen Fabelwerken. Daniel Kehlmanns Romane oder Wenedikt Jerofejews Reise nach Petuschki seien solche Beispiele, seien allesamt Bücher, Bestseller, zu Recht Bestseller, die die Zeit in ein Flugzeug manövrierten und sie verfliegen ließen. Aber, Ingo Munz hob entschuldigend Arme und Hände, aber erinnern könne er sich kaum an sie. Worum es in diesen Büchern gegangen sei? Was das Anliegen des Autors gewesen wäre? Er wisse es nicht mehr! Würde man ihn nach seiner Meinung zu diesen Büchern fragen, er müsste sie weiterempfehlen, freilich, aber aus sich heraus käme er nicht auf die Idee, einem Freund eines jener Bücher ans Herz zu legen. Wie sollte das auch funktionieren? Er könne ja nicht einmal den Inhalt wiedergeben. Wie sollte er mithin entscheiden, ob es zu diesem oder jenem passe?

Ingo Munz machte jetzt einen leicht verwirrten Eindruck, was ganz gewiss nicht einzig nur an den genossenen Whiskeys lag. Leo Tolstois Kreutzersonate, stieß es unvermittelt aus ihm heraus, Herman Melvilles Bartleby der Schreiber, dies seien Werke, die etwas mit dem Leser anstellten, was über die reine Unterhaltung hinausgehe. Und da sei von Robert Musils Mann ohne Eigenschaften noch gar nicht gesprochen. Ja tatsächlich, sagte er, bis heute echoten diese Werke in ihm, mal in Form von besonders gelungenen Wendungen, mal aber auch ganze Gedankenstränge. Vielleicht habe er diese Bücher bis heute nicht verstanden, aber was soll`s, sagte er, sie machten etwas mit ihm, stellten seine Ansichten auf den Kopf, zerrissen sie, bauten sie bisweilen wieder zusammen und ergänzten oder komplettierten sie für den Moment, den süßen. Es reiche ihm einfach nicht, den Lesern die Zeit zu vertreiben, sie nur zu unterhalten. Er sei sich bewusst, dass wahrscheinlich genau dies die Zutat sei, die vielen unangenehm aufstoße, aber es gehe eben nicht anders. Irgendetwas müsse doch passieren, irgendetwas müsse ein Buch doch mit einem machen, sei es nur eine Frage, die aufgeworfen würde, vielleicht nur die, ob Anti-Atomkraft-Aufkleber am Heck eines Autos wirklich glaubhaft rüberkommen, wenigstens nur eine einzige Frage, sonst könne man doch den lieben und auch langen Tag über Kreuzworträtsel lösen oder Glücksrad schauen.

Dostojewski: Es muss etwas passieren!

In Leo Tolstois Kreutzersonate passiere etwas mit einem, das über die Unterhaltung hinausgehe.

Ja natürlich gibt es Helden!

Damals, als wir nach einigen schönen Stunden des Zwiegesprächs aus dem Gewölbekeller empor ins Blau der Nacht stiegen, wurde mir klar, dass wir Puschkins Diktum vom „hinabsteigen“ in die Prosa getrost als Treppenwitz der Überlieferung ansehen dürfen. Ich nutzte jedenfalls die Gelegenheit und frug Ingo Munz, kurz bevor sich unsere Wege wieder trennten, nach seinen erzählenden Helden. Glühenden Auges sang er förmlich Namen wie Thomas Bernhard und Robert Musil, wie Diderot, Voltaire und Rousseau. Ich vernahm allerlei russische Dichter, hörte ihn mehr Flaubert als Balzac sagen und vernahm zu meiner Überraschung auch den Namen Thomas Mann. Und in der kurzen Prosa, sagte er nach einer kleinen Pause, in der kurzen Prosa müsse er immer wieder an Heinrich Böll denken, an Italo Calvino, Daniil Charms oder Luise Rinser.

Und wie ist es mit dem Drama oder der Lyrik?

Literarisches Verständnis: Drama

Der ewige Goethe hängt kopfüber vom Schnürboden eines Stadttheaters herab. Neben ihm: Ingo Munz und ein gewisser Lovis Löwenthal. Es gibt den Faust. Und es geht sehr ordentlich zur Sache!

Gottried Benn

Literarisches Verständnis: Lyrik

Warum Lyrik weniger mit Handwerk zu tun hat als die meisten denken. Und endlich Aufklärung darüber, warum Ingo Munz Johannes R. Becher Gottried Benn vorzieht.

Über das Erzählen von Geschichten

Ich liebe Geschichten! Ich liebe Geschichten mit einem Anfang und einem Ende, ein Ende, das ein Ausrufezeichen setzt. Das so beliebte offene Ende ist meine Sache nicht. Zur Meisterschaft, so bin ich überzeugt, hat es eine Geschichte dann geschafft, wenn sie zwar unmissverständlich klar macht: hier ist Schluss! sie aber dennoch mehrdeutig bleibt. Eine Mehrdeutigkeit, die sich freilich nicht allein auf das Ende bezieht, sondern vor allem die Motive und Handlungen der Protagonisten meint.

Zu meinen bevorzugten Stilmitteln gehört, auch in der kurzen Prosa, die Retardation, also die Verlangsamung, das Verzögern der literarischen Handlung. Bisweilen übertreibe ich gerne, um die Geschichten dort anzusiedeln, wo es am spannendsten ist: auf der Naht zwischen Wirklichkeit und Fiktion.

Während der Erzählung sehe ich meine Hörer gerne schmunzeln. Ein gefälliges Lächeln nach Abschluss der Geschichte kann mir allerdings gestohlen bleiben. Ich kalkuliere also bereitwillig ein, kein uneingeschränktes Lob einzuheimsen. Ja, wer sich vor der Nachtruhe noch ein wenig amüsieren und sein Tun und Denken bestätigt wissen will, der wird mit meinen Geschichten nicht glücklich werden.

Freilich ist mein Ziel nicht per se, anderer Meinung als der Hörer zu sein, ihn zu irritieren oder gar zu provozieren, aber ich gestehe ein, dass ich eine Geschichte, die heute beklatscht, morgen aber bereits vergessen ist, für gescheitert, für schlecht und nicht der Rede wert halte!

Übersicht der kurzen Prosa

Der Killer von Montabaur

Vorlesezeit: etwa 18 Minuten

Temperament: wütend

Literarische Besonderheiten: klassisch lineare Erzählung

Entstehungszeit: Juni 2015

Inhalt: Der Killer von Montabaur verlässt die Praxis seines Psychotherapeuten. Wütend ist er. Er läuft und wankt durch Düsseldorf, im Grunde ohne es zu bemerken. Wohin will er? Er schimpft auf alles und jeden. Warum? Was hat man ihm angetan? Und was hat er vor?

Auszug: »Der Killer von Montabaur zürnte jetzt. Bereits hatte er die Tiefgarage erreicht. Bald würde er in seinem Auto sitzen. Und jetzt nahm er sich seinen Psychiater vor. Nicht Schneider, seinen Therapeuten, den Psychologen, sondern seinen Psychiater, den Mediziner, der den Gelben Schein ausstellen darf und der über drei Jahre hinweg fast nie etwas gesagt und nie Zeit hatte, der ihn eigentlich nicht ein einziges Mal richtig angesehen hatte, der aber bereitwillig die Rezepte herausrückte: Meist für eine Familienpackung Lorazepam, diese ganz wunderbaren unscheinbaren Pillchen, die noch die größten Ängste wegblasen, die beruhigen, „tranquilizen“ und die uns in Kombination mit Schmerzmitteln, das weiß ein jeder Pharmazeut, alle zu kleinen oder größeren Godzillas werden lässt. Zu HB-Männchen. Nicht zu Wut-Bürgerchen, sondern zu echten Breiviks, zu richtig wütenden Zeitgenossen.«

Enter

Vorlesezeit: etwa 7 Minuten

Temperament: klar, philosophisch

Literarische Besonderheiten: moderner Stil; Mischung aus Innerer Monolog und Ich-Erzählung

Entstehungszeit: April 2015

Inhalt: Ein Mann will einen Raum betreten, seine Hand ist bereits am Türgriff. Bis es tatsächlich soweit ist, monologisiert und philosophiert der Protagonist über den Raum und unsere Erwartungen, wenn wir einen Raum betreten.

»Enter« wurde veröffentlicht im »Tausend Bilder und eins. Comic als ästhetische Praxis in der postmigrantischen Gesellschaft«.

Ich und meine Lampe

Vorlesezeit: etwa 10 Minuten

Temperament: philosophisch, bedacht

Literarische Besonderheiten: moderner Stil; Mischung aus Innerer Monolog und Ich-Erzählung

Entstehungszeit: März 2012

Inhalt: Ein Mann unterhält sich mit seiner Schreibtischlampe. Das Hauptthema: Ob man denn wirklich seine Möglichkeiten ausschöpft. Bald wird die langjährige Beziehung diskutiert ...

Ulriken

Vorlesezeit: etwa 25 Minuten

Temperament: poetisch, liebevoll

Literarische Besonderheiten: ein sehr metaphorischer Text alten, vor allem romantischen Stils mit allerhand Skurrilitäten

Entstehungszeit: Juni 2007

Inhalt: Durch einen Zufall trifft er Ulriken nach langer Zeit wieder. Sie werfen ihre Pläne über Bord und durchwandern auf der Suche nach Schönem einen Tag lang ihre Heimatstadt – am Morgen den Norden, danach den Süden Essens.

»Ulriken« wurde veröffentlicht in dem Band: »In der Niederlage liegt eine Würde, die dem Sieg kaum zusteht – Geschichten aus Ruhrgebiet«.

Wahrheit Roemisch Eins

Vorlesezeit: etwa 15 Minuten (Hörspiel-Fassung dauert 14:52)

Temperament: lustig, bissig, übertrieben

Literarische Besonderheiten: eine Polemik im Stile des direkt angesprochenen Thomas Bernhard

Entstehungszeit: Juni 2011

Inhalt: Ein Schriftsteller räsoniert über die Eingeborenen vonne Ruhr. Er redet sich in Rage. Er beschimpft, er übertreibt und am Ende findet er sogar einen recht versöhnlichen Ausgang.

Auszug: »Der vor keinem Gericht dieser Welt zu rechtfertigende Stolz aller Ruhris fußt auf Urgroßvaters Zeiten, als sie willfährige Waffenschmiede wilhelminischer und faschistischer Ungeheuer waren. Ihre Rolle in den Nachkriegsjahren überbewerten sie maßlos und blasen sie auf gerade so, als ob man Stahl fressen könnte. Dabei neiden sie auf ihrem Weg des steten Niedergangs, des fortdauernden Misserfolgs allen alles.«

»Wahrheit Roemisch Eins« wurde veröffentlicht in dem Band: »In der Niederlage liegt eine Würde, die dem Sieg kaum zusteht – Geschichten aus Ruhrgebiet«.

Tun se alle am Bahnsteig stehn

Vorlesezeit: etwa 12 Minuten (Hörspiel-Fassung dauert 12:42)

Temperament: lustig, bissig

Literarische Besonderheiten: im Dialekt des Ruhrgebiets geschrieben

Entstehungszeit: Juni 2009

Inhalt: Die großen Heroen der „Ruhrgebietskunst“, die ihr Publikum verwöhnen mit einem Niveau, »das so hoch ist wie die Berge des Wattenmeers«, tun im Vorfeld der Kulturhauptstadt 2010 zufällig alle »am Bahnsteig stehn«.

Auszug: »Abber die Touristen, sacht der Rothmann, wenn die dann kommen, wo sollen die denn hingehen? Mach ma halt ne Lesung, sacht der Goosen und der Zuch aus dem die Akyün gestiegen is, der steht immer noch da. Kommt die Gerburg Jahnke, nich ausm Zuch, weil der is ja grad abgefahrn, sondern, hömma, einfach so ausm Tunnel hoch und sacht: Wenn Donnerstach is, is Donnerstach. Und dabei war gar nich Donnerstach. Aber dat Wetter, hömma, dat Wetter. Und wat sacht der Stratmann dann ziemlich plötzlich, so ganz ausse Lameng? Heute komm ich Mal mit Mein Bein, und weißte wat, wat der Rothmann dann sacht? Hömma, ein Stier, ich bin ein Stier.«

»Tun se alle am Bahnsteig stehn« wurde veröffentlicht in dem Band: »In der Niederlage liegt eine Würde, die dem Sieg kaum zusteht – Geschichten aus Ruhrgebiet«.

Dajana

Vorlesezeit: etwa 18 Minuten

Temperament: liebevoll, zärtlich, vertrauensselig

Literarische Besonderheiten: klassische Liebeserzählung mit einer kleinen politischen Spitze

Entstehungszeit: Juni 2012

Inhalt: Die Abschlussklasse: Die neckische Claudia, die feurige Anna und jene Tanja, die zwischen Bauch und Hals etwas aufweist, was all das in den Schatten stellt, das die anderen Mädchen so zwischen Bauch und Hals aufweisen, erwecken die Aufmerksamkeit der Jungs. Die zurückhaltende Dajana hat es da zunächst schwerer. Aber gerade in jenem Moment, wo man sich für sie zu interessieren beginnt, muss sie tränenüberströmt und urplötzlich das Klassenzimmer verlassen – für immer.

Auszug: »Da tat sich zum einen, zwischen den oberen Schneidezähnen, ein kleiner Spalt auf, den Zahnlücke zu nennen übertrieben wäre, der aber doch vorhanden und nicht zu übersehen war. Ihr Mund, mit den nur leicht geschwungenen Lippen, wurde flankiert von zwei sichelförmigen Grübchen, die tatsächlich nicht einzig dann zum Vorschein kamen, wenn Dajana dieses verschmitzte Lächeln aufsetzte. Vor allem aber waren es ihre Augen, die dem Gesicht, ihrem ganzen Wesen einen spitzbübischen Frohsinn verliehen. Dajana nämlich schielte ein wenig. Ein Schielen, das über den Silberblick hinausging und das verstärkt wurde durch zwei große, kreisrunde, von einer silberfarbenen Fassung fixierte Brillengläser – alles in allem eine Dajana zu groß geratene Brille von jener Art, die insbesondere John Lennon populär gemacht hatte.«

Die janusköpfige Reminiszenz an Oberhausen

Vorlesezeit: etwa 14 Minuten (Hörspiel-Fassung dauert 15:32)

Temperament: gediegen, hanseatisch mit nur wenigen Ausbrüchen

Literarische Besonderheiten: klassische Erzählung, tatsächlich etwas dystopisch

Entstehungszeit: Mai 2010

Inhalt: Ein Großvater erzählt seinem Enkel aus jenen Zeiten, als es Oberhausen noch gegeben hat.

Auszug: »Die meisten Bürokraten hatten aber noch nie auch nur einen Fuß nach Oberhausen gesetzt, dachten aber, man müsse auf das Schicksal der vielen alten Fabrikhallen aufmerksam machen. Aber wiederum war keiner mutig. Man tauchte nur noch mehr alte Fabrikhallen in buntes Licht und nannte es fortan Kunst.«

»Die janusköpfige Reminiszenz an Oberhausen« wurde veröffentlicht in dem Band: »In der Niederlage liegt eine Würde, die dem Sieg kaum zusteht – Geschichten aus Ruhrgebiet«.

Die Töpferin und ihr Kunstwerk

Vorlesezeit: etwa 18 Minuten

Temperament: liebevoll, mystisch

Literarische Besonderheiten: klassische Erzählung mit einem Hauch Mystik

Entstehungszeit: August 2008

Inhalt: »Eine Töpferin, näher der Kunst als dem Handwerk. In seiner Erscheinung anders als von der Töpferin beabsichtigt, kommt ihr neues Werk zur Welt. Aber es gefällt ihr außerordentlich, vielleicht auch deshalb, weil die Betrachter ganz anderer Meinung sind. Je mehr die Umwelt ihr neues Werk ablehnt, desto inniger wird die Beziehung zwischen Künstlerin und ihrem Objekt. Das Kunstwerk wird zum Ansprechpartner der Töpferin, wird zu ihrem Fetisch. In dieser Zeit lernt sie einen Marionettenbauer kennen. Sie verlieben sich. Doch der Marionettenbauer hat es neben dem Kunstwerk nicht leicht. Am Ende eine Theophanie ...«

Auszug: »Das Kunstwerk erinnerte an einen morschen Baumstumpf, dann und wann, und dann und wann schien es sich zu verwandeln, in Windeseile und vor unseren Augen, in eine vielschichtige Leckerei aus Eis oder Nudelwerk. Es konnte dem Auge schmeicheln, wie zitronengelbe Blüten den Bienen, um sich dann, nur den Hauch einer Sekunde später, eher spröde und widerborstig ins Auge der Beobachter zu zwängen. Mal faszinierte es seinen Betrachter und hielt ihn in Bann, wie wir in die Augen eines geliebten Menschen bereitwillig zu fallen geneigt sind; mal hinwiederum, und dies mag nur schwer nachvollziehbar sein, mal stieß es den Betrachter regelrecht ab, als ob man blickte in die tief klaffende Wunde des eigenen Bauches.«

Warum wir essen, was wir denken

Vorlesezeit: etwa 16 Minuten

Literarische Besonderheiten: umgangssprachlich, fluffig

Entstehungszeit: Juni 2018

Inhalt: Die Ich-Perspektive. Von der Vorliebe für rappeldürre Mädchen wird monologisiert auf den Willen zur Veränderung, auf den Willen zur Einsicht. Ein Stück Literatur, das den Bogen spannt von der Ernährungsmedizin, über den Mut, eigene Gedanken versuchen zu denken, bis hin zur Notwendigkeit ständiger Revolte.

Auszug: »Na ja, das will zwar auch keiner hören und zugeben, also dass man sein Leben nicht verbringen will an der Seite eines Menschen, dessen Willen wieder und wieder verliert im Kampf gegen einen lauwarmen Cheeseburger. Ich meine, das ist doch kein gutes Zeichen. So einer, oder eben so eine, wird einen doch immer im Stich lassen, wenn es brenzlig wird, meinetwegen an der Eiger Nordwand, gebrochener Knöchel, unfähig zu laufen und du bist unterwegs mit einem, der immer gegen den lauwarmen Cheeseburger verliert, also so einer traut es sich doch selbst nicht zu, ich meine, der kennt ja seinen schwachen Willen, der glaubt doch selbst nicht daran, dass er es schaffen könnte, den Kumpel, den Freund, den Partner zur nächsten Station zu schleppen, Huckepack und so weiter. Der wird den Kampf für verloren erklären, bevor er ihn begonnen hat.«

Das Loch der Ungerechtigkeit

Vorlesezeit: etwa 18 Minuten

Literarische Besonderheiten: umgangssprachlich

Entstehungszeit: Januar 2017

Inhalt: Recht fluffig und unbesorgt wird erzählt über den Bochumer Autor Klaus Märkert und über Erfahrungen mit dem Literaturbetrieb. Unter anderem Hans Magnus Enzensberger, Michael Ende oder auch Benjamin von Stuckrad-Barre werden zum Thema gemacht. Letztlich gelangt der Erzähler zu der Erkenntnis, dass sich in dem ehrenwerten Literaturbetrieb doch im Grunde genommen ausschließlich entweder Verbrecher oder Schmarotzer oder Dummköpfe sich tummeln. Und er denkt weiters, dass er eigentlich recht froh darüber sei, der dritten Kategorie anzugehören.

Auszug: »Und da muss ich doch jetzt mal eine Geschichte einstreuen, also wie ich mit meiner Tochter nach einem anstrengenden Tag noch so einen Film schaue, Momo, nach der Romanvorlage von Michael Ende. Wir liegen also im Bett und essen Heidelbeeren und schauen den Film und ich döse auch so ein bisschen und irgendwann – ja scheiß die Wand an! – ist der Film zu Ende. Und weil wir den Film auf Youtube gesehen haben, führt uns das Autoplay gleich weiter zu einer Talkshow aus den frühen 90ern, mit Blacky Fuchsberger als Moderator. Und weil sich die Algorithmen von Youtube nie täuschen, ist in dieser Talkshow doch tatsächlich der Michael Ende zu Gast.«

»Das Loch der Ungerechtigkeit« wurde veröffentlicht in dem Band: »In der Niederlage liegt eine Würde, die dem Sieg kaum zusteht – Geschichten aus Ruhrgebiet«.

Sie nannten ihn Klacker-Kliemeck

Vorlesezeit: etwa 18 Minuten

Temperament: lakonisch, erregt

Entstehungszeit: Januar 2017

Inhalt: Bei Klacker-Kliemeck klappert's die ganze Zeit, weil er immer Kannen, also Spraydosen mit sich schleppt. Er ist Streetart-Künstler, Graffiti und solche Sachen. Wir begleiten ihn im Alltag. Morgens, in "seiner" U-Bahn-Station seiner Heimatstadt Essen fällt ihm auf, dass diese im Grunde seit zwanzig Jahren renoviert wird, also die U-Bahn-Station beziehungsweise die Verteilerebene. Welche Schweine füllen sich mit dieser Dauerbaustelle wohl den Ranzen? Er regt sich auf. Am meisten aber regt er sich darüber auf, dass sich gerade in seiner Heimatstadt niemand darüber aufregt. Sind denn bereits alle vonne WIZ, äh WAZ gleichgeschaltet worden? Oder ist der Ruhri tatsächlich indolenter und dümmer als der Kölner oder der Berliner? Letztlich landet er bei seiner Kunst. Fehlt Ihr vielleicht doch eine wirkungsvolle Instanz, gerade jetzt, wo alle Welt von der Macht des Bildes redet und wir Vereinfachungsakrobaten nur mehr noch mit Emojis operieren, wenn wir Gefühle auszudrücken versuchen?

Auszug: »Ich will hier ja nicht mit dem Totschlag-Argument kommen, also mit den Kindergartenplätzen und so weiter, ich denke aber, dass so ein Freibad, wo man an heißen Tagen noch ein Stück Wiese findet, ich denke, dass funktionierende Straßenlaternen in Huttrop, Katernberg oder Vogelheim, dass das schon mit diesem Geld gut finanziert werden könnte. Und, Pardon!, ich muss nun doch damit anfangen, denn die Essener Grundschule, die nicht vom Keller bis hoch zum Dachfirst vergammelt und verschimmelt wäre, die muss man ja erst mal ausfindig machen! Und die Grundschulen, wo, wenn eine Lehrkraft mal ausfällt, wo dann einfach stundenlang nix ... also gar nix passiert und unsere Liebsten und Förderungswürdigsten dann bescheuert in die Luft äugen und darauf warten, dass Langeweile und Schimmel so peu à peu das Gehirn zersetzen, – diese Grundschulen würden sich auch über den ein oder anderen Pfennig freuen, der stattdessen und seit Jahrzehnten in diese Dauerbereicherungsstätte fließt.«

»Sie nannten ihn Klacker-Kliemeck« wurde veröffentlicht in dem Band: »In der Niederlage liegt eine Würde, die dem Sieg kaum zusteht – Geschichten aus Ruhrgebiet«.

Eine Geige für Alima

Vorlesezeit: etwa 15 Minuten

Temperament: poetisch, musikalisch

Entstehungszeit: Juni 2016

Inhalt: Ein Mann sitzt am Wegesrand. Er spielt Geige. Ungewöhnlich spielt er. Bald hört ihm ein junges Mädchen zu. Der Geiger erzählt ihm vom Zufall, von den Erwartungen und den Erfindungen des Menschen: »Meine Lieblingsmusik ist immer die, die ich noch nicht gehört habe.« Zwischen dem Geiger und dem Mädchen, das sich erweist als Flüchtlingskind, entspannt sich eine Unterhaltung, die von der dargebotenen Musik getragen wird: »Der Mensch will Freiheit mit Zwängen errichten. Hüte dich vor den Erfindungen des Menschen! Auch die Harmonie, Alima, ist nur eine Erfindung ...«

Auszug: »Aber was für ein ewiger Moment! Alima wagte nicht, sich zu rühren, selbst das Atmen stellte sie ein. Erst als der Zufall erneut die Erwartungen zerschnitt, atmete Alima hörbar aus. Einige Minuten später ließ der Geiger sein Stück allmählich auslaufen. Als er geendet hatte, sagte er recht lapidar: »Meine Lieblingsmusik, Alima, ist immer die, die ich noch nicht gehört habe.«

Das Wohnzimmer

Vorlesezeit: etwa 15 Minuten

Temperament: getragen, melancholisch

Entstehungszeit: Februar 2016

Inhalt: Ein Mann erzählt, wie eine Fliege versucht zwischen Gardine und Fensterscheibe in die Freiheit zu gelangen. Wenn sie nur ein bisschen Verstand besäße, könnte sie hinterm Vorhang hervor und über die anderen Räume bald ins Freie gelangen. Der Mann schildert die Räumlichkeiten. Es muss in letzter Zeit Veränderungen gegeben haben, die ihm das Herz zerreißen.

Auszug: »Und plötzlich nahm ich die Fliege dort hinter der Gardine wieder wahr und da wusste ich endlich, was die Anna wollte und ich habe gesagt: Soll ich die Fliege hinauslassen? Und jetzt, da bin ich mir ganz sicher, da hat die Anna ganz gewiss gelächelt, das habe ich genau gesehen und ich habe mich gefreut, denn es ist ja immer so schön gewesen, wenn die Anna gelächelt hat und dann bin ich aufgestanden und hin zum Fenster gelaufen.«

Eine recht kurze Geschichte über den Hochmut

Vorlesezeit: etwa 40 Minuten

Temperament: wütend, humorvoll

Entstehungszeit: Dezember 2015

Inhalt: Ein Schriftsteller liest vor Publikum aus seinem Werk. Geschildert werden allerdings nur die ausgesprochen hochmütigen Gedanken des Schriftstellers während er liest. Bald wechselt die Perspektive und wir hören das Publikum nicht minder hochmütig denken. Eine Geschichte über unsere Zeit, in der sich doch jeder Einzelne im Grunde für den Größten hält.

Auszug: »Aber das Publikum, musste der Schriftsteller feststellen, war keines mehr. Fast alle lümmelten jetzt mehr oder minder auf ihrem Sitzmobiliar. Dieser gähnte offen, laut und schamlos, jener dort in der Ecke kaute genüsslich und – wie er fälschlicherweise annahm – unbemerkt auf einem Augenblicke zuvor eingeführten Popel herum. Seine Geschichte, des Schriftstellers Geschichte, seine Sätze, seine Worte und die von ihm so geliebten Buchstaben hatten aufgehört, sozusagen, zu existieren. Er war jetzt dort auf seiner Bühne nur mehr noch ein Narr, einer, den man auslacht, auf den man herabblickt mit allem Hochmut, der sich unter der Sonne so bereitwillig sehen lässt.«

Unser Stupor itzt in Ödnis unterm bunt-gescheckten Firnis der Verführung

Vorlesezeit: etwa 16 Minuten

Temperament: krude, wütend, etwas zynisch

Literarische Besonderheiten: experimentell und etwas kafkaesk

Entstehungszeit: Juni 2013

Inhalt: Alle strömen in das Hotel. Eng ist es. Ein Mann will ein Zimmer und seine Ruhe. Vergeblich. Es wird getrampelt und getreten. Es gibt kein Entrinnen. Da versucht es der Mann mit Menschlichkeit – er wird ausgelacht. Er versucht es mit Selbstmord – er wird verurteilt. Eine kafkaeske Geschichte? Nein, nur eine weitere von Ingo Munz.

Auszug: »Tatsächlich, dies musste ich bereits zu diesem frühen Zeitpunkt akzeptieren, tatsächlich barst diese Stätte des Alps vor menschlichen Körperhüllen, vor Bäuchen und meist behaarten Schädeln, vor Händen, Armen, Füßen und Beinen, deren rechtmäßige Besitzer in diesem Menschenklumpen unmöglich auszumachen waren. Ein einziger Vielling. Welches Monstrum hatte ein solches Monstrum gebären können?«

»Unser Stupor itzt in Ödnis unterm bunt-gescheckten Firnis der Verführung« wurde veröffentlicht im »Unserheft 1«.

Die Bilanz – eine kleine Abrechnung

Vorlesezeit: etwa 13 Minuten (Hörspiel-Fassung dauert 13:10)

Temperament: humorvoll, etwas zynisch und nur wenig polemisch

Literarische Besonderheiten: viele Perspektivwechsel, häufiger Wechsel von direkter und indirekter Rede.

Entstehungszeit: Juni 2010

Inhalt: Der vergleichsweise junge Essener Literat besucht eine literarische Veranstaltung der Oberen Zehntausend. Inspiration erhofft er sich, da er gerade an einer Geschichte zum Thema »Sprachenvielfalt im Ruhrgebiet« arbeitet. Er findet sie zuhauf. Schließlich hören sich die Großkopferten sehr gerne reden.

Auszug: »Gebückt arbeiten zu können, zäh zu sein, ja, das waren die Anforderungen an die Menschen im Ruhrgebiet. Sogar war es erwünscht, besonders geistlose Menschen herbeizulocken, Menschen, die ihr Tun und Handeln nicht hinterfragen, also stundenlang im diffus Dunklen zu kauern und schwer arbeiten zu müssen für ein paar Moneten. Auf diesem, Verzeihung, ungebildeten Pack hockt nun das Ruhrgebiet.«

»Die Bilanz« wurde veröffentlicht in dem Band: »In der Niederlage liegt eine Würde, die dem Sieg kaum zusteht – Geschichten aus Ruhrgebiet«.

Endlich tot

Vorlesezeit: etwa 25 Minuten

Temperament: humorvoll, etwas zynisch und nur wenig polemisch

Literarische Besonderheiten: klassische Ich-Erzählung

Entstehungszeit: Mai 2014

Inhalt: »Das wahrscheinlich bedeutendste Museum Nordrhein-Westfalens: Der gleichermaßen erfahrene wie namenlose Kurator plant die Jahresausstellung: das Feuilleton, das ganz große, muss informiert, der VIP-Verteiler adäquat bedient und die Sponsoren hofiert werden. Während er arbeitet, erzählt uns der Kurator von seiner skurrilen Begegnung mit dem ausgestellten Künstler und davon, wie dieser den Lichthof an der viel befahrenen Bundesstraße derart zurichten konnte ...«

Auszug: »Wer macht eigentlich die Ausstellungen, die oder ich? Wer ist denn hier der Kurator? So ne scheiß Bank vielleicht oder Evonik? Oder doch die RWE? Ruhrgas? Thyssen? Oder Krupp oder Thyssen-Krupp oder nicht vielleicht doch einfach nur ich? Wer sucht und findet sie denn, die neuen – meinetwegen halt Meister – holt sie aus der Gülle und wäscht sie dann rein für unsere White Cubes mit den mannigfachen Black Boxes darin, für unsere minimalistischen Geschmacksknospen, für die sichtachsengerechten Lichthöfe?«

Weitere Informationen zu der Geschichte in diesem Artikel.

Wissta wat? – Leckt mich ma am Arsch!

Vorlesezeit: etwa 14 Minuten

Temperament: bissig

Literarische Besonderheiten: die Handlung tut sich langsam und nach und nach auf, teils parodistische Einschübe

Entstehungszeit: September 2014

Inhalt: Die glitzernde Metropole. Eine Lyrik-Lesung. Absolventen und gar Dozenten des Studiengangs »Kreatives Schreiben« veranstalten ein Feuerwerk der Langeweile – Leitlinien-Literatur. Es kommt zu Unstimmigkeiten. Einer trinkt zu viel Bier.