Eine karge Erhöhung, vergleichbar einer Kohlenhalde oder der Spitze des Mont Ventoux. Im Hintergrund der Sonnenball. Am Himmel kreist, wie ein hölzerner, mechanischer Vogel, ein komisches Flugobjekt. Auf dem kargen „Berg“ stehen, nicht mehr ganz die jüngsten, ein Mann und eine Frau.

Dies die erste Anregung in »An der Grenze – ein Drama als Vorlage für den Zeichner/die Zeichnerin einer Graphic Novel«. Die Illustratorin Ute Helmbold hat die Szenerie nach Essen verlegt – hin zu einem magisch-schönen Ort im Norden der Stadt. »An der Grenze« ist veröffentlicht in der zweiten Ausgabe von Unserheft – Texte und Bilder, herausgegeben von Ute Helmbold, Stefan Michaelsen und Ingo Munz.

Je verdichteter/individueller ein Werk, desto größer die Geringschätzung/Ignoranz.

Ingo Munz

Schriftsteller, Verlag Ingo Munz

Unserheft

»Unserheft«, Texte und Bilder: ISSN 2198-2147

»Unserheft«, erscheint in unregelmäßigen Abständen. Veröffentlicht werden Texte und Bilder der Gegenwart.

Zur ersten Ausgabe »Unserheft 1«

Der Teaserfilm zur Graphic Novel

Realisiert von Ute Helmbold

Story und Künstler

Die Geschichte erzählt von zwei modernen Menschen: Meist indolent, oft sediert, im Grunde immer gelangweilt von den Alibihandlungen, die sie tagein, tagaus vollführen.

Ute Helmbold hat die Alibihandlungen bebildert: Pseudogespräche, Pseudoliebe, Pseudowissen, Pseudoglück, Pseudodemokratie und so weiter.

Die Zeichnerin Ute Helmbold

Ute Helmbold hat die Erzählung vortrefflich illustriert. Helmbold unterrichtet Illustration an der Hochschule für Bildende Künste (HBK) in Braunschweig. Dort leitete sie im Juli 2014 das Symposium „Was ist eigentlich eine Graphic Novel? Zur Kultur des Erzählens mit Bildern“.

Ute Helmbold ist in Bremen geboren und lebt heute in Essen, wo sie Kommunikationsdesign studierte. Seit 1987 ist sie als freiberufliche Illustratorin für Publikationen der Unternehmenskommunikation sowie für Buch- und Zeitschriftenverlage tätig. Seit 1995 unterrichtet sie Illustration an der Hochschule für Bildende Künste (HBK) in Braunschweig. Neben Lehre und freiberuflicher Tätigkeit arbeitet sie an zahlreichen freien Illustrationsprojekten.

Weitere Publikationen von Ute Helmbold
Peter und der Wolf
kunstanstifter verlag, Mannheim, 2012
ISBN 978-3-942795-08-1

Der Schimmelreiter
Edition Eichthal, Eckernförde, 2013
ISBN 978-3-9811115-9-0

carpe diem
HBK Braunschweig, 2014
ISBN 978-3-88895-083-4

Zur Homepage von Ute Helmbold

Typografie und die Endproduktion stammen von Stefan Michaelsen.

Michaelsen im Verlaufe der Vorarbeiten: Die Dialoge der beiden Hauptfiguren werden in normaler Leseschrift gesetzt. Die »Besucher« bekommen jeweils eine Auszeichnung, ihrer »Tonalität» entsprechend, aber aus der gleichen Schriftfamilie …
Der Rabe – ernst, edukativ, mit Pathos – wird etwas größer, kursiv und zentriert gesetzt, zur Steigerung des Pathos mit Schmuckelementen eingangs und am Ende.

Der Kommunikationsdesigner Stefan Michaelsen

Stefan Michaelsen, geboren 1970 in Braunschweig,
arbeitet als überzeugter Kommunikationsdesigner in Essen. Er entwirft Ausstellungen, wie zuletzt in den
Meininger Museen, Bücher, vor allem aus dem Kunstbereich (u. a. Joseph Beuys und Tadashi Kawamata), ferner Informations- und Corporate Design. Neben der beauftragten Tätigkeit entstehen freie Zeichnungs- und Fotografieprojekte.

Zur Homepage von Stefan Michaelsen von Stefan Michaelsen

Ingo Munz über die Verfertigung einer Graphic Novel

Die Schwester der Graphic Novel ist nicht die Epik/Prosa, sondern die Dramatik. Beim Verfassen eines gelungenen Dramas sollte der Autor – anders als in der Prosa und Lyrik möglich – nicht nur auf und in sich blicken; er sollte vielmehr die Perspektive des Zuschauers einnehmen. Er fragt also: Kann das, was ich schreibe, auch tatsächlich gesehen werden? Zudem darf der dramatische Autor nicht allzu häufig von der direkten Rede abweichen. Anders als in der Prosa und vor allem in der Lyrik erwünscht, soll er nicht erzählen, was sein Auge sieht. Der Dramatiker muss fremder Leute Augen inspirieren. Bei der Graphic Novel ist dieses fremde Auge nicht des Zuschauers Auge, sondern das Auge des Illustrators. Tatsächlich ist die ideale literarische Vorlage für eine Graphic Novel eine Art Drehbuch, die weniger den Leser und den Betrachter als den graphischen Autor/Illustrator im Auge hat.

Praktisch gesehen sollte der graphische Autor meine „Regieanweisungen“ als dramaturgische Vorschläge ansehen. Ebenso verhält es sich mit den angegebenen Szenenwechseln, also der Vorschlag zum Umblättern der Seite, was ja automatisch einhergeht mit einer dramaturgischen Pause und im besten Falle mit einer Pointe. Kurz: Die Buchstaben des reinen Textes sind sakrosankt, alles andere möge der Inspiration dienen.

Ingo Munz über das Erzählen von Geschichten

Ich liebe Geschichten! Ich liebe Geschichten mit einem Anfang und einem Ende, ein Ende, das ein Ausrufezeichen setzt. Das so beliebte offene Ende ist meine Sache nicht. Zur Meisterschaft, so bin ich überzeugt, hat es eine Geschichte dann geschafft, wenn sie zwar unmissverständlich klar macht: hier ist Schluss! sie aber dennoch mehrdeutig bleibt. Eine Mehrdeutigkeit, die sich freilich nicht allein auf das Ende bezieht, sondern vor allem die Motive und Handlungen der Protagonisten meint.

Zu meinen bevorzugten Stilmitteln gehört, auch in der kurzen Prosa, die Retardation, also die Verlangsamung, das Verzögern der literarischen Handlung. Bisweilen übertreibe ich gerne, um die Geschichten dort anzusiedeln, wo es am spannendsten ist: auf der Naht zwischen Wirklichkeit und Fiktion.

Während der Erzählung sehe ich meine Hörer gerne schmunzeln. Ein gefälliges Lächeln nach Abschluss der Geschichte kann mir allerdings gestohlen bleiben. Ich kalkuliere also bereitwillig ein, kein uneingeschränktes Lob einzuheimsen. Ja, wer sich vor der Nachtruhe noch ein wenig amüsieren und sein Tun und Denken bestätigt wissen will, der wird mit meinen Geschichten nicht glücklich werden.

Freilich ist mein Ziel nicht per se, anderer Meinung als der Hörer zu sein, ihn zu irritieren oder gar zu provozieren, aber ich gestehe ein, dass ich eine Geschichte, die heute beklatscht, morgen aber bereits vergessen ist, für gescheitert, für schlecht und nicht der Rede wert halte!

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