Wir lieben, wir lieben nicht

Versuch einer amorkratischen Dialektik

Wir lieben, wir lieben nicht. Ingo Munz

»These, Antithese, Synthese, Versuch einer amorkratischen Dialektik«, so heißt ein uraltes Gedicht von Ingo Munz. Damalige Reaktionen fielen knapp, aber naturgemäß wohlwollend aus – eine verheerende Kombination! Einzig ein Kommentar, der fürchterlichste überhaupt, einzig ein mickriger Kommentar kam ein wenig kritischer, vor allem aber länger daher:

Das Gedicht erinnere an die experimentell-lautmalerischen Werke des Ernst Jandl. Nicht mehr also als billiger Eklektizismus? Geht’s denn überhaupt noch? Was meinen Sie? Nein, Pardon, tun Sie es bitte nicht kund! Alles ist gut, wenn Sie schweigen.
Wir lieben, wir lieben nicht!

These, Antithese, Synthese

(Versuch einer amorkratischen Dialektik)

Wir lieben
Wir lieben nicht
Wir lieben Wir lieben nicht

Wir lieben
Wir lieben nicht
Wir lieben nicht lieben Wir

Wir lieben
Wir lieben nicht
nicht lieben Wir lieben Wir

Wir lieben
Wir lieben nicht
nicht Wir lieben Wir lieben

Wir lieben
Wir lieben nicht
Wir Wir lieben lieben nicht

Wir lieben
Wir lieben nicht
lieben lieben Wir Wir nicht

Wir lieben
Wir lieben nicht
nicht Wir Wir lieben lieben!

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Na, Ihr Schönlinge und Grünschnäbel, Ihr dauergeilen Augenblicksgewinnler? Wieso fahrt Ihr so aufs Visuelle ab? Wieso glaubt Ihr, fremdgelenkt und unfrei seien immer nur die anderen? Achtung, hier hält Euch ein Dichter die Kraft des Wortes entgegen!

Arbeiten von morgens bis abends, das Haar über Lichtungen kämmen und zusehen, wie das Meer an Möglichkeiten schrumpft auf eine armselige Pfütze des Selbstmitleids. Vorsicht! Dichtung kann auch runterziehen!

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